
IP-SCHUTZART
IP65 oder IP67? Die passende IP-Schutzart für Ihr Produkt wählen
Die kurze Antwort
Der IP-Code gibt an, unter welchen Bedingungen ein Gehäuse gegen Fremdkörper und Wasser schützt. Die Auswahl sollte vom tatsächlichen Einsatz ausgehen: Eine Tauchschutzart wie IP67 umfasst Strahlwasser (IP65) nicht automatisch. Ziel-Schutzart, Prüfbedingungen und Annahmekriterien sollten feststehen, bevor Prüfmuster vorbereitet werden.
Was bedeuten die zwei Ziffern des IP-Codes?
Der von der IEC festgelegte IP-Code (Ingress Protection) besteht aus zwei Ziffern. Die erste bewertet den Schutz gegen feste Fremdkörper und Staub von 0 bis 6: 5 steht für staubgeschützt, 6 für staubdicht. Die zweite bewertet den Schutz gegen Flüssigkeiten von 0 bis 9: 4 steht für Spritzwasser aus allen Richtungen, 5 für Strahlwasser, 6 für starkes Strahlwasser, 7 für zeitweiliges Untertauchen, 8 für dauerndes Untertauchen und 9 für Hochdruck- und Hochtemperatur-Strahlwasser.
Ein X anstelle einer Ziffer bedeutet, dass diese Eigenschaft nicht angegeben oder nicht geprüft ist. IPX4 beschreibt zum Beispiel nur den Schutz gegen Wasser und trifft keine Aussage über Staub. IEC 60529 definiert außerdem Zusatzbuchstaben für den Schutz von Personen gegen den Zugang zu gefährlichen Teilen. Code und Prüfbedingung statt eines allgemeinen Begriffs wie „wasserdicht“ anzugeben, ist gegenüber Kunden und Marktüberwachung die klarere Zusage.
IP65 und IP67: Strahlwasser und Untertauchen sind verschiedene Bedingungen
Eine höhere zweite Ziffer bedeutet nicht immer einen umfassenderen Schutz. IPX7 beschreibt zeitweiliges Untertauchen in einer bestimmten Tiefe und Dauer, IPX5 und IPX6 dagegen Strahlwasser aus verschiedenen Richtungen. Nach IEC 60529 gilt ein Gehäuse, das nur mit 7 oder 8 gekennzeichnet ist, nicht als geeignet für Strahlwasser; das wird nur durch eine Doppelkennzeichnung (zum Beispiel IP65/IP67) ausgewiesen, und dann müssen beide Prüfbedingungen erfüllt sein.
Für eine Außenleuchte, die Regen und Reinigung ausgesetzt ist, kann der Strahlwasserschutz wichtiger sein; für einen Sensor, der kurzzeitig unter Wasser geraten kann, eher der Tauchschutz. Wer den tatsächlichen Einsatz beschreibt, vermeidet eine unnötig hohe und teure Schutzart ebenso wie ein zu niedriges Ziel.
Was vor der Prüfung zu klären ist
Die IP-Schutzart wird am Gehäuse im bestimmungsgemäßen Einbauzustand bewertet. Kabeleinführungen, Verschraubungen, Steckverbinder, Belüftungsöffnungen und Dichtungen sollten am Prüfmuster genau so vorhanden sein wie im Serienprodukt. Bei einem Wandgerät beeinflussen auch die Montagefläche und das Anzugsdrehmoment des Deckels den Prüfaufbau; diese Angaben sollten mit der Gebrauchsanleitung übereinstimmen.
Bei der Staubprüfung kommt es auch darauf an, ob im Gehäuse ein Druckunterschied entsteht: IEC 60529 ordnet Gehäuse danach Kategorien zu, und in manchen Fällen wird mit abgesenktem Innendruck geprüft. Die Norm nennt allgemeine Annahmebedingungen; die jeweilige Produktnorm kann sie um Kriterien wie elektrische Sicherheitsprüfungen nach dem Test ergänzen. Wer früh klärt, welche Produktnorm die IP-Anforderung stellt, vermeidet Überraschungen.
Vor dem Versand der Prüfmuster prüfen
- Die Ziel-Schutzart und gegebenenfalls die Doppelkennzeichnung (zum Beispiel IP65/IP67) sind schriftlich festgelegt.
- Die tatsächliche Einsatzumgebung wie Regen, Reinigung, Untertauchen oder Staub ist beschrieben.
- Kabeleinführungen, Verschraubungen, Steckverbinder und Dichtungen entsprechen der Serienausführung.
- Einbaulage, Montagefläche und Anzugsvorgaben für den Deckel liegen dem Prüfmuster bei.
- Die Annahmekriterien nach der Prüfung und die zugehörige Produktnorm sind festgelegt.
- Der IP-Code auf dem Typenschild und in der technischen Dokumentation entspricht der geprüften Ausführung.
Eine IP-Schutzart ist für sich allein keine Marktzulassung; sie wird als Anforderung innerhalb der für das Produkt geltenden Rechtsvorschriften und Produktnorm bewertet. Unterschiede bei Gehäusen und Dichtungen innerhalb der Produktfamilie sollten bei der Planung des Prüfumfangs gesondert aufgelistet werden.
Offizielle Quellen
Quellen geprüft:
- IEC · Ingress Protection (IP) ratings
- IEC 60529 · Degrees of protection provided by enclosures (IP Code)
Der Umfang richtet sich nach Produkt, Verwendungszweck und Zielmarkt. Dieser Beitrag ersetzt keine produktbezogene Konformitätsbewertung.
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